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Gold, Silber, Bitcoin: eine mittlerweile gefährliche Asymmetrie

by Michael

Trotz bedeutender struktureller Stützen scheinen Gold, Silber und Kryptowährungen nun kurzfristig einem erheblichen Korrekturrisiko ausgesetzt zu sein.

Gold, Silber und Bitcoin profitieren langfristig von erheblichen strukturellen Unterstützungen

Die Attraktivität dieser drei „nicht-staatlichen” Vermögenswerte ist langfristig unbestritten und wird durch drei wichtige makroökonomische Faktoren gestützt.

Die „Entdollarisierung” der Staatsbilanzen beschleunigt sich

Die Ausweitung der öffentlichen Defizite in Verbindung mit der Bipolarisierung der Welt schürt die Befürchtungen einer chronischen „Entwertung” der Fiat-Währungen. Vor allem die Gefahr einer „Weaponization” des Dollars infolge wiederholter Wirtschaftssanktionen und der Einfrierung russischer Vermögenswerte im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine hat eine Diversifizierungsbewegung ausgelöst. >Die Zentralbanken haben seit 2023 mehr als 1.500 Tonnen Gold gekauft und damit den Gesamtwert ihrer Goldreserven (rund 4.500 Milliarden Dollar) über den Wert ihrer Bestände an US-Staatsanleihen (rund 3.500 Milliarden) hinaus erhöht, was nach Angaben der EZB und des World Gold Council eine Premiere seit fast drei Jahrzehnten darstellt.

Die Erosion der Glaubwürdigkeit der Fed

Die anhaltende Inflation in den USA, die über dem Zielwert von 2 % liegt, sowie der politische Druck, die Zinsen zu senken, beeinträchtigen die Glaubwürdigkeit der Zentralbank in ihrer Aufgabe der „Preisstabilität”.
Diese implizite Toleranz gegenüber Inflation stärkt die Glaubwürdigkeitsprämie realer und alternativer Vermögenswerte.
Der jüngste Rückgang der Realrenditen

Wenn die Rendite von Anleihen nach Abzug der Inflation sinkt, sinken auch die Opportunitätskosten für das Halten von Vermögenswerten ohne Kupon, was sie für Anleger attraktiver macht. Mit anderen Worten: Wenn sichere Anlagen real weniger Rendite bringen, wenden sich Anleger eher Sachwerten wie Gold oder Bitcoin zu, die dann als Wertreserve dienen. Diese Realzinsen bleiben für diese drei Vermögenswerte in einem überschaubaren Bereich. Die Rendite zehnjähriger TIPS ist übrigens kürzlich weiter gesunken und lag Ende Oktober bei 1,69 %. Ein weiterer Rückgang dieser Realzinsen würde Edelmetalle und Bitcoin stützen, während eine Erholung die Korrektur der letzten Wochen verstärken würde.

Grafik der 10-Jahres-Rendite inflationsindexierter US-Staatsanleihen

Strukturelle Unterstützung, aber Risiko einer kurzfristigen Korrektur überwiegt

Während die langfristigen Fundamentaldaten für alle drei Vermögenswerte positiv sind, wird die Luft für die Edelmetallpreise nach Monaten fast ununterbrochener Kursgewinne langsam dünn, und ein wichtiges technisches Signal beendet die Aufwärtsdynamik des Bitcoin.

Die Positionierung bei beiden Edelmetallen deutet auf einen mittlerweile euphorischen Trend hin. Die Zuflüsse in Gold-ETFs haben in den letzten drei Monaten ein historisch hohes Niveau erreicht, das fast drei Standardabweichungen über ihrem Dreijahresdurchschnitt liegt. Gleichzeitig liegt die Positionierung in Terminkontrakten und Optionen von Commercial Hedgers (Produzenten und Raffinerien) zwei Standardabweichungen unter dem Dreijahresdurchschnitt. Historisch gesehen fällt diese Konstellation oft mit taktischen Höchstständen und Konsolidierungsphasen zusammen, wie beispielsweise im April dieses Jahres. Die Goldunze, die kürzlich 4.400 USD erreicht hat, ist daher besonders anfällig für eine Welle kurzfristiger Gewinnmitnahmen.

Silber befindet sich in einer ähnlichen Situation, aber sein Korrekturpotenzial könnte durch seine zunehmende Verwendung in der Industrie, insbesondere für Solarzellen und Elektrofahrzeuge (etwa +50 % der weltweiten Nachfrage), ausgeglichen werden.

Grafik des Goldkurses, des Prozentsatzes der Kaufpositionen der „Commercial Hedgers” auf Terminkontrakte und Optionen (in Rosa) und der Ströme auf die wichtigsten Gold-ETFs (in Blau)

Aus technischer Sicht hat der Bitcoin-Kurs gerade eine wichtige Unterstützung bei 108.000 US-Dollar durchbrochen, auf der er seit Juli verharrte. Diese Bewegung bildet somit ein „Doppelgipfel”-Muster, das theoretisch den Weg für eine rückläufige Trendwende ebnet.

Dieses bärische Signal ist umso relevanter, als es mit dem berühmten „4-Jahres-Zyklus des Bitcoin” zusammenfällt, der einen theoretischen Höchststand im Oktober vor einer deutlichen Korrektur in den nächsten zwölf Monaten vorsieht, ähnlich wie es 2018 und 2022 der Fall war.

Bitcoin-Kurschart

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Asymmetrie nun aus unterschiedlichen Gründen die Verkäufer aller drei Vermögenswerte zu begünstigen scheint: die übermäßig optimistische Positionierung bei Edelmetallen und das Durchbrechen einer wichtigen Unterstützung bei Bitcoin. Dennoch sorgen die Beschleunigung der Entdollarisierung, der Verlust der Glaubwürdigkeit in die Unabhängigkeit der Fed und der Rückgang der Realzinsen für ein strukturell bullisches Umfeld. Diese fundamentalen Faktoren könnten die Dauer und das Ausmaß der Korrektur verringern und das taktische Risiko in eine Chance zur Stärkung für langfristige Anleger verwandeln.

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