Bittensor hat soeben einen historischen Meilenstein erreicht. Zum ersten Mal seit dem Start des Netzwerks hat das Protokoll sein allererstes Halving erlebt – ein bedeutendes Ereignis, das die Dynamik der Emission seiner Kryptowährung TAO grundlegend verändert. Von nun an sinkt die tägliche Emission von 7.200 auf 3.600 TAO, was einen wichtigen Übergang für das gesamte Ökosystem markiert. Eine Analyse dieses Schlüsselereignisses für das Ökosystem.
Halbierte Emissionen
Wie Bitcoin verfügt auch TAO über ein maximales Angebot von 21 Millionen Einheiten. Im Gegensatz zu Bitcoin wird das Halving bei Bittensor jedoch nicht durch eine bestimmte Anzahl erreichter Blöcke ausgelöst, sondern durch die Gesamtzahl der ausgegebenen TAO. Konkret bedeutet dies: Solange das Gesamtangebot bestimmte vordefinierte Schwellenwerte nicht erreicht, gibt das Netzwerk weiterhin TAO in einem festen Rhythmus aus. Vor diesem ersten Halving erzeugte jeder Block, der alle 12 Sekunden produziert wurde, 1 TAO, was etwa 7.200 TAO pro Tag entspricht. Seit dem Halving werden nun alle 12 Sekunden 0,5 TAO generiert.

Halving von Bittensor
Ein weiterer wichtiger Mechanismus: das Recycling. Ein Teil der TAO, die zur Registrierung von Minern und Subnetzen verwendet werden, wird in den „nicht ausgegebenen“ Bestand zurückgeführt. Konkret reduziert dieser Prozess künstlich den tatsächlichen Umlauf und kann das Eintreten eines Halvings verzögern.
Nicht ausgegebenes Angebot
Es entspricht dem Anteil der TAO, der in der Obergrenze von 21 Millionen enthalten ist, aber noch nicht geschaffen wurde. Diese Token werden im Laufe der Zeit schrittweise über die Blockemissionen ausgegeben.
Seit Februar 2025 hat Bittensor zudem das Konzept der Dynamic TAO eingeführt. Jedes Subnetz verfügt nun über einen eigenen Alpha-Token, der auf dezentralen Märkten gegen TAO eingetauscht werden kann. Diese Alpha-Token folgen derselben Logik der Obergrenze und des Halvings wie die TAO, jedoch mit einem wichtigen Unterschied: Von der Reduzierung der Emissionen ist nur der Anteil der Alpha-Token betroffen, der in die Liquiditätspools eingespeist wird.

Änderungen in den Liquiditätspools der Subnetze: TAO Flows
Was bedeutet dies für das Bittensor-Ökosystem?
Dieses erste Halving markiert einen Wendepunkt für Bittensor. Die Reduzierung der Emissionen wirkt sich direkt auf die in den Subnetz-Pools verfügbare Liquidität aus. Weniger ausgegebene TAO bedeuten auch weniger täglich zugeführte TAO und Alpha. Allerdings sind nicht alle Akteure gleichermaßen betroffen. Die Ausschüttungen von Alpha an Miner, Validatoren und Subnetz-Besitzer bleiben unverändert.
Für TAO ist der Rückgang der Inflation, ähnlich wie bei BTC, ein starkes Signal. Es werden weniger Token geschaffen, während die Nachfrage nach Dienstleistungen im Bereich der künstlichen Intelligenz weiter steigt.
Diese neue Konstellation begünstigt die ältesten Subnetze. Da sie vor dem Halving gestartet wurden, profitierten sie mehrere Monate oder sogar Jahre lang von höheren Liquiditätszufuhren. Im Gegensatz dazu müssen neue Subnetze mit begrenzteren Zuflüssen zurechtkommen, was den Wettbewerb verschärft.
Diese Veränderung ist jedoch nicht ohne Risiken. Eine knapper werdende Liquidität kann die Unterschiede zwischen den leistungsstärksten Subnetzen und weniger soliden Projekten noch verstärken. Konstruktionsfehler, mangelnde tatsächliche Nutzung oder eine schlechte Kapitalallokation werden sich schwerer verbergen lassen. Das Netzwerk tritt allmählich in eine Phase der Effizienzsteigerung ein, anstatt weiter rasch zu expandieren.
Zudem könnte eine Reduzierung der TAO-Belohnungen kleinere Miner und Validatoren abschrecken, was zu einer Zentralisierung dieser Aktivitäten durch größere Akteure führen würde.
Das Wichtigste im Überblick
Das erste Halving von Bittensor ist kein kurzfristiges Ereignis. Es handelt sich weder um ein unmittelbares Marktsignal noch um ein Versprechen eines sofortigen Anstiegs des TAO-Preises. Durch die Senkung der Inflation bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Anreize leitet Bittensor einen Übergang zu einem reiferen Ökosystem ein, in dem der Wert stärker auf der tatsächlichen Nutzung und der Leistung der Subnetze beruht. Wie bei Bitcoin in seinen Anfängen werden sich die Auswirkungen dieses Halvings erst im Laufe der Zeit zeigen.