Im Januar 2026 sind in Frankreich die Daten von mehr als 90 Millionen Konten durchgesickert. Diese beispiellose Welle macht deutlich, wie lückenhaft die Vorschriften für Unternehmen und Behörden sind und welche Folgen die Zentralisierung personenbezogener Daten hat.
Datenlecks erreichen in Frankreich einen neuen Rekord
In den letzten Monaten haben sich in den sozialen Netzwerken die Meldungen und Veröffentlichungen über neue Datenlecks, von denen Tausende oder sogar Millionen Franzosen betroffen sind, gehäuft.
Obwohl es schwierig ist, einen genauen Vergleich mit den Datenlecks der vergangenen Jahre anzustellen, da diese nicht immer öffentlich gemacht wurden, wird deutlich, dass Datenlecks heute Millionen Franzosen betreffen.
Die von der Beobachtungswebsite „BonjourLaFuite“ zusammengestellten Daten ermöglichen es, das Ausmaß dieser Datenlecks zu quantifizieren. Laut dieser Website kam es zwischen dem 1. und 31. Januar 2026 bei über 90 Millionen Konten infolge verschiedener Sicherheitsvorfälle zu Datenlecks.

Auszug aus der Website BonjourLaFuite
Diese Datenlecks können durch unzureichende Sicherheit der Datenbanken von Unternehmen oder Organisationen verursacht werden, wodurch Hacker aus der Ferne darauf zugreifen können. Die Bedrohung kann jedoch auch von innen kommen: Mehrere Fälle zeigen, dass einige böswillige Mitarbeiter die Daten oder Profile bestimmter Personen an kriminelle Netzwerke verkaufen.
Einige aktuelle Beispiele verdeutlichen die Schwere der Situation: Im Januar war die Restaurantkette O’Tacos von einem Datenleck betroffen, bei dem 29 Millionen Kundenprofile offengelegt wurden, bei Panorama Banques waren es 2,3 Millionen, beim französischen Volleyballverband etwa 1,2 Millionen und bei der URSSAF fast 12 Millionen.
Bei diesen Datenlecks wurden Informationen wie Vor- und Nachnamen, E-Mail-Adressen und manchmal sogar Postanschriften, Telefonnummern, Passfotos, IP-Adressen usw. offengelegt.
Diese schwindelerregenden Zahlen allein nähern sich bereits der Gesamtzahl der für das gesamte Jahr 2025 erfassten Datenlecks, die auf etwa 100 Millionen Konten geschätzt wird.
France Travail wurde übrigens kürzlich von der CNIL mit einer Geldstrafe von 5 Millionen Euro belegt, nachdem es im Jahr 2024 zu einem Datenleck gekommen war, bei dem die persönlichen Daten von 36,8 Millionen Menschen offengelegt wurden. Eine gelinde gesagt absurde Situation, in der eine öffentliche Einrichtung von einer anderen sanktioniert wird – und das alles finanziert aus Steuergeldern.
Wie gefährden diese Datenlecks unser Leben?
Die Zunahme von Datenlecks verdeutlicht die Grenzen der derzeitigen Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung (LCB-FT), insbesondere im Hinblick auf die Identitätsprüfungsverpflichtungen (KYC).
Indem sie Handelsplattformen und Online-Dienste dazu verpflichten, sensible Daten (Identitäten, Adressen, Guthaben usw.) zu speichern, haben die Regulierungsbehörden faktisch Ziele für Kriminelle geschaffen. Wenn diese Datenbestände kompromittiert werden – was immer häufiger vorkommt –, gehen die Folgen weit über einen einfachen Identitätsdiebstahl hinaus.
Seit Anfang des Jahres 2025 ist ein alarmierender Anstieg von „Krypto-Entführungen“ zu beobachten: Personen, die anhand ihres digitalen Vermögens identifiziert wurden, werden entführt und/oder angegriffen, um ihnen ihre Kryptowährungen zu erpressen. Die Täter greifen manchmal sogar Familienangehörige an.
Wenn Datenlecks Abgeordnete betreffen, ist die Reaktion natürlich sofortig. Yaël Braun-Pivet, Präsidentin der Nationalversammlung, hat die Staatsanwaltschaft sofort eingeschaltet, sobald persönliche Informationen über Abgeordnete und Mitarbeiter der Nationalversammlung veröffentlicht wurden. Eine Reaktionsfähigkeit, die im Gegensatz zur üblichen Untätigkeit steht, wenn jeden Monat die Daten von Millionen Franzosen offengelegt werden.
Die Verbreitung personenbezogener Daten von Abgeordneten und Mitarbeitern der Nationalversammlung ist äußerst schwerwiegend.
Ich habe mich umgehend an die Staatsanwaltschaft gewandt und eine Meldung bei Pharos eingereicht, damit diese Vorfälle untersucht werden und die… pic.twitter.com/d2NBuvYs7i
— Yaël Braun-Pivet (@YaelBRAUNPIVET) 3. Februar 2026
Das Absurdeste daran ist, dass sich diese KYC-Identifizierungsmaßnahmen als unwirksam gegen Betrug erweisen, der oft über gestohlene Konten oder Strohmänner begangen wird. Darüber hinaus übersteigen die wirtschaftlichen und personellen Kosten, die den regulierten Plattformen entstehen, bei weitem die von den Behörden wiederbeschafften betrügerischen Gelder.
Vor diesem ohnehin schon besorgniserregenden Hintergrund hat Frankreich gerade ein Gesetz verabschiedet, das Kindern unter 15 Jahren den Zugang zu sozialen Netzwerken verbietet. Als Kinderschutzmaßnahme präsentiert, schreibt es in Wirklichkeit eine systematische Erfassung der Identitäten aller Nutzer vor und vergrößert damit im Falle eines Datenlecks die Angriffsfläche noch weiter.
Anstatt die Bürger zu schützen, legen diese Maßnahmen noch mehr sensible Daten offen und schaffen digitale Zeitbomben, auch „Honeypots“ genannt, die Angreifer mühelos ins Visier nehmen können.