Die Bank von Litauen, die wichtigste Aufsichtsbehörde von Robinhood in der Europäischen Union, verlangt wenige Tage nach dem Start des Dienstes Aufklärung über die OpenAI- und SpaceX-Token. Vor einigen Tagen hatte OpenAI daran erinnert, dass „diese OpenAI-Token keine OpenAI-Aktien sind”; ihre Struktur beunruhigt nun die Behörden.
Tokenisierte Aktien von Robinhood: Die litauische Zentralbank will Klarheit
Am 30. Juni 2025 führte Robinhood eine Neuerung für Nutzer in der Europäischen Union ein: Über 200 US-Aktien (ETFs und Wertpapiere wie Nvidia, Apple, Microsoft) sind nun in Form von Tokens auf Basis der Arbitrum-Blockchain verfügbar. Damit wurde es Privatpersonen möglich, in bekannte Privatunternehmen wie OpenAI oder SpaceX zu investieren.
Das veranlasste den Entwickler von ChatGPT, über seinen X-Account zu warnen:
Diese „OpenAI-Tokens” sind keine OpenAI-Aktien. (…) Wir haben ihre Ausgabe nicht genehmigt, seien Sie vorsichtig.
Der CEO und Mitbegründer von Robinhood, Vlad Tenev, antwortete OpenAI daraufhin ebenfalls auf X:
Auch wenn es sich technisch gesehen nicht um „Aktien” handelt, bieten diese Tokens Privatanlegern ein Engagement in diesen privaten Vermögenswerten (…) und ebnen den Weg für ein weitaus ehrgeizigeres Projekt.
Das Engagement bleibt also indirekt, da jeder Token eine Aktie in einem speziellen Finanzvehikel repräsentiert, aber es handelt sich um private Wertpapiere, die noch nicht handelbar sind.
Nach dieser Klarstellung wandte sich die litauische Zentralbank, die Robinhood als Krypto-Asset-Dienstleister und Broker reguliert, an das Unternehmen, um nähere Informationen zur rechtlichen Struktur der OpenAI- und SpaceX-Token zu erhalten. Die Behörde möchte außerdem überprüfen, ob die Informationen für Anleger klar verständlich sind.
Tokenisierte Aktien angesichts der neuen MiCA-Vorgaben
Giedrius Šniukas, Sprecher der litauischen Zentralbank, erklärt:
Erst nach Erhalt und Bewertung dieser Informationen können wir die Rechtmäßigkeit und Konformität dieser spezifischen Instrumente beurteilen. Die Informationen für Anleger müssen klar, fair und nicht irreführend sein.
Das am 30. Juni gestartete Angebot verspricht einen 24-Stunden-Handel an fünf Tagen in der Woche, ohne Provisionen und mit automatischer Dividendenausschüttung. Die Einführung der tokenisierten Aktien könnte Robinhood im Wettbewerb der Broker weiter wachsen lassen: Die Robinhood-Aktie hat seit Jahresbeginn bereits 163,7 % zugelegt.
Diese Neuerung fällt jedoch mitten in die Einführung der MiCA-Verordnung: Seit dem 1. Juli legen die Leitlinien der Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde fest, dass ein Token als Finanzinstrument neu eingestuft werden kann, wenn seine Wirtschaftlichkeit der einer traditionellen Aktie entspricht. Die nationalen Behörden haben bis zum 18. Juli Zeit, ihre Konformität zu melden.
So könnte die litauische Zentralbank beschließen, dass Stock Tokens dem klassischen Börsenrecht unterliegen und zusätzliche Prospekte und Genehmigungen erforderlich sind. Sie könnte sogar einen ausdrücklichen Hinweis verlangen, dass diese Tokens keine Governance-Rechte in den betreffenden Unternehmen begründen.