Nach mehreren Wochen des Abwartens in der Nähe seiner Tiefststände startet Bitcoin nun einen soliden technischen Aufschwung. Abgesehen von den Chart-Signalen stellt die bevorstehende Beratung des CLARITY Act im US-Senat einen noch unterschätzten Katalysator dar, der das Verhalten institutioneller Anleger und die kurzfristige Marktasymmetrie verändern könnte.
Seit seinen Tiefstständen im November bei rund 83.000 Dollar scheint der Bitcoin-Kurs diese Woche wieder an Aufwärtsdynamik zu gewinnen. Das Währungspaar BTC/USD erholt sich in zwei Handelstagen (Dienstag und Mittwoch) deutlich um etwa 7 % bei einem spürbaren Anstieg des Handelsvolumens und durchbricht einen wichtigen kurzfristigen Pivot-Punkt bei rund 94.000 Dollar, um ein Zweimonatshoch zu erreichen.
Bitcoin durchbricht ein aufsteigendes Dreieck mit hohem Handelsvolumen
Aus charttechnischer Sicht bestätigt das Durchbrechen dieser Schwelle, die seit Anfang Dezember als aktiver Widerstand fungiert, den Ausbruch nach oben aus einem aufsteigenden Dreieck. Das theoretische Ziel dieser Formation liegt bei rund 107.000 Dollar, was einem Potenzial von etwa 10 % ausgehend vom Bereich um 97.000 Dollar entspricht. Eine solche Bewegung würde Bitcoin wieder in die Nähe langfristiger Markierungen bringen, insbesondere des gleitenden 200-Tage-Durchschnitts, der von vielen Fondsmanagern mit automatisierten Strategien genau beobachtet wird. Das Signal ist umso interessanter, als es nach einer deutlichen Korrektur seit dem Oktober-Höchststand von über 126.000 Dollar auftritt – ein Niveau, das weiterhin als Referenz für Gewinnmitnahmen dient.

Tageschart des BTC/USD-Kurses
Ein regulatorischer Katalysator, der das Risiko für institutionelle Anleger verändern könnte
Dieser Kurssprung von Bitcoin steht zudem im Zusammenhang mit einem politischen Zeitplan, der als Katalysator wirken könnte. Der Bankenausschuss des US-Senats hat die für diesen Donnerstag, den 15. Januar, geplante Sitzung in „Executive Session“ (Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit) verschoben, in der der „Digital Asset Market Clarity Act of 2025“ („CLARITY Act“) geprüft werden sollte, der bereits am 17. Juli 2025 vom Repräsentantenhaus verabschiedet und im September an den Senat weitergeleitet worden war.
Das zentrale Ziel des Gesetzentwurfs besteht darin, ein operatives Unterscheidungsschema zwischen Vermögenswerten, die unter die Wertpapierregelung fallen, und Vermögenswerten, die als „digitale Rohstoffe“ gelten, vorzuschlagen – im Einklang mit der Position der Commodity Futures Trading Commission (CFTC), die Bitcoin ebenso wie Gold oder Öl als Rohstoff betrachtet. Die Mehrheit des Ausschusses betont, dass sie die Rollenverteilung zwischen der CFTC und der Securities and Exchange Commission (SEC) klären und einen als übermäßig strittig empfundenen Ansatz durch einen klareren gesetzlichen Rahmen ersetzen möchte.
Für den Markt geht es um mehr als nur die Verabschiedung des Gesetzentwurfs. Solange die Spielregeln unklar bleiben, haben große institutionelle Akteure wie Banken, Versicherer, Verwahrstellen oder Fonds einen Anreiz, schrittweise und vorsichtig vorzugehen. Sobald hingegen die Wahrscheinlichkeit eines stabilen Rahmens steigt, wird die Option, sich frühzeitig zu positionieren, attraktiver – insbesondere über Anlageinstrumente, die bereits den regulatorischen Auflagen unterliegen, wie beispielsweise Bitcoin-Spot-ETFs.
Ein Bitcoin-Aufschwung, den es mit Vorsicht zu handhaben gilt
Trotz einer Asymmetrie, die kurzfristig wieder günstiger für Käufer geworden ist, ist weiterhin Vorsicht geboten. Einerseits ist die Verabschiedung im Ausschuss noch kein Endziel: Der Gesetzentwurf muss noch den Senat passieren und anschließend Gegenstand politischer Verhandlungen sein, wobei ein reales Risiko besteht, dass er blockiert oder in der endgültigen Fassung abgeschwächt wird. Andererseits ist Bitcoin aus zyklischer Sicht im vergangenen Herbst in die historisch ungünstigere Phase seines Vierjahreszyklus eingetreten, die im Durchschnitt etwa ein Jahr dauert. Vor diesem Hintergrund könnte der aktuelle Aufschwung lediglich eine Zwischenrallye innerhalb einer umfassenderen Korrekturphase sein.