Satoshi Nakamoto nimmt seinen Platz gegenüber dem Wall-Street-Stier ein. Eine anonyme Silhouette aus poliertem Metall thront dort, wo die klassische Finanzwelt seit Jahrzehnten dominiert. Bitcoin, einst eine Randerscheinung, drängt sich heute in den Mittelpunkt jenes Systems, das es eigentlich umgehen sollte.
Satoshi Nakamoto nimmt gegenüber dem Wall-Street-Stier Platz
Ein neues symbolisches Denkmal für Bitcoin wurde an der Wall Street, an der New York Stock Exchange (NYSE), aufgestellt: eine Statue von Satoshi Nakamoto, dem mysteriösen Schöpfer der Blockchain.
Ihm gegenüber thront seit 1989 der Bronzebulle, zeitloses Symbol der traditionellen Finanzwelt und des Optimismus der Aktienmärkte. Eine Begegnung voller Bedeutung: die alte Finanzwelt gegenüber der bedeutendsten Währungsrevolution seit dem Goldrausch.
Das Werk, entworfen von der italienischen Künstlerin Valentina Picozzi, alias Satoshi Gallery, stellt die Silhouette einer vermummten Person dar, die einen Computer auf dem Schoß hat – die Verkörperung von Satoshi.
Die aus dünnen, polierten Metallscheiben gefertigte Statue lässt durch ihre Struktur den Blick ins Leere frei. Von vorne betrachtet bleibt nur die Silhouette sichtbar, wie in Filigran gezeichnet – eine Metapher für die Codezeilen, aus denen das Bitcoin-Protokoll besteht.
„Satoshi Nakamoto“
Valentina Picozzi – @satoshigalleryTwenty One Capital stellt eine Statue von Satoshi Nakamoto, dem Erfinder von Bitcoin, an der NYSE auf. Ihr neuer Standort markiert eine Schnittstelle zwischen aufstrebenden Systemen und etablierten Institutionen. Vom Code zur Kultur – die Aufstellung… pic.twitter.com/sTiNq3h5HY
— NYSE (@NYSE) 10. Dezember 2025
Twenty One Capital errichtet eine Statue von Satoshi Nakamoto, dem Erfinder von Bitcoin, an der NYSE. Dieser neue Ort symbolisiert eine gemeinsame Basis zwischen aufstrebenden Systemen und etablierten Institutionen. Vom Code bis zur Kultur verkörpert diese Installation eine künstlerische Reflexion darüber, wie sich neue Ideen in die gemeinsame Geschichte einfügen.
Es handelt sich um die fünfte Statue eines weltweiten Projekts, das insgesamt 21 Statuen umfassen soll – eine Anspielung auf die Obergrenze von 21 Millionen BTC. Derzeit stehen Statuen in Lugano in der Schweiz, in El Zonte (Bitcoin Beach) in El Salvador, in Tokio in Japan und in Hanoi in Vietnam.
Zudem fällt die Aufstellung der Statue mit dem Jahrestag der Einführung der Bitcoin-Mailingliste zusammen, die Nakamoto am 10. Dezember 2008 ins Leben gerufen hatte.
Seitdem hat sich Bitcoin von einem Randphänomen zu einem strategischen Vermögenswert entwickelt. Heute befinden sich mehr als 3,7 Millionen BTC, was einem Wert von über 336 Milliarden Dollar entspricht, im Besitz von Institutionen, Unternehmen und Staaten.
Jack Mallers und Tether lancieren ihre Bitcoin-Treasury, die als erste an der New Yorker Börse notiert ist
Die Statue von Satoshi Nakamoto an der Wall Street wäre ohne das Engagement von Twenty One Capital (XXI) nicht entstanden, einer kürzlich gegründeten Treasury-Gesellschaft, die von Jack Mallers, dem Gründer der Handelsplattform Strike, und Tether, dem Emittenten des Stablecoins USDT, unterstützt wird.
Diese neue Bitcoin-Treasury, die somit in Konkurrenz zu Michael Saylors Strategy tritt, hat zum Ziel, den Zugang zu Bitcoin über traditionellere Finanzkanäle zu erleichtern
Hinter dieser symbolischen Maßnahme verbirgt sich jedoch ein grundlegender Widerspruch. Twenty One Capital hält mehr als 43.500 BTC und ist damit der drittgrößte private Bitcoin-Besitzer weltweit, direkt hinter dem Mining-Unternehmen Marathon Digital (53.700 BTC) und Strategy (660.000 BTC).
Eine beeindruckende Leistung … die jedoch Fragen aufwirft. Denn diese Treasury-Unternehmen, die zwar als Verbündete von Bitcoin erscheinen, verzerren in Wirklichkeit die Philosophie von Bitcoin, indem sie dessen Verwahrung durch vertrauenswürdige Dritte begünstigen. Bitcoin wurde entwickelt, um Einzelpersonen Souveränität zu verleihen, nicht um sie erneut von Vermittlern abhängig zu machen.
Die Verwahrung der eigenen BTC an ein Unternehmen zu delegieren, bedeutet somit, die Schwachstellen des traditionellen Bankensystems zu reproduzieren: Anfälligkeit für Zensur, Einfrieren von Geldern und Beschlagnahmungen aufgrund regulatorischen Drucks. Dieses Paradoxon wirft eine wesentliche Frage auf: Kann man die Bitcoin-Revolution wirklich feiern … und gleichzeitig ihre Nutzung zentralisieren?